Die FDP Neuss unterstützt eine selektive Aufnahme des Schulbetriebes und fordert unterstützende Maßnahmen für KiTas in Neuss

VonRatsfraktion Apr 15, 2020

Die FDP Neuss unterstützt eine selektive Aufnahme des Schulbetriebes und fordert unterstützende Maßnahmen für KiTas in Neuss

Die Rundverfügung der Bezirksregierung Düsseldorf erreichte die Schulträger und Schulleitungen am 09.04.2020, also Gründonnerstag. Darin werden die Verantwortlichen gebeten, sich auf den Fall einer (ggf. teilweisen) Wiedereröffnung von Schulen nach den Osterferien vorzubereiten. Ein Zeitpunkt zur Wiederaufnahme des Schulbetriebes und in welcher Form auch immer ist nicht genannt. Hierüber soll es in der nächsten Woche genauere Informationen seitens des Ministeriums für Schule und Bildung geben. Eine Vorwarnung auf das, was da kommen mag sicher aber inhaltlich bemerkenswert, denn bereits zum jetzigen Zeitpunkt wird darum gebeten, die für den Unterrichtsbeginn erforderlichen hygienischen Anforderungen in Verantwortungsgemeinschaft zwischen Schulträger und Schulleitung zu überprüfen und sicherzustellen. Dies ist einer Stellungnahme würdig.

Die Lage komplex, steht aber aus Landessicht dennoch unter der einfachen Prämisse, die Eltern wieder dem Arbeitsprozess zuführen zu können. Eine so konsequent verfolgte breite Wiedereröffnung der Schulen würde aus Sicht der FDP-Neuss ein erhebliches Maß an ungeklärten Fragen und damit Gefahren beinhalten, zumal die im Hygieneplan genannten Voraussetzungen und Maßnahmen weder erfüllt und ausreichend sind bzw. auf absehbare Zeit flächendeckend erfüllt werden können.

Ohne gleichzeitige Öffnung der KiTa’s werden viele Eltern wohl in zusätzliche Bedrängnis gebracht. Viele Kleinkinder würden zu Ihren Großeltern gebracht werden müssen, was widersinnig wäre, weil genau diese Risikogruppe nicht gefährdet werden soll.

Die Praktikabilität des Vorhabens wird in Zweifel gezogen, denn um die Hygienevorschriften einzuhalten, müsste eigentlich die Anzahl der Kinder in der Schule deutlich reduziert werden, damit es eventuell möglich ist, den Abstand von ca. 2 Metern vom Schulkameraden nicht nur im Pausenhof, sondern auch in der Klasse zu gewährleisten. Dazu müsste man allerdings die Kurse und Klassen auf max. 8-10 Schüler reduzieren, wobei dann mehr Räumlichkeiten und Lehrkräfte in Anspruch genommen werden, die ihrerseits aber aufgrund des Altersdurchschnitts und Risikoschutzmaßnahmen in ihrer Anzahl sicherlich halbiert würden. Wenn also davon ausgegangen werden kann, dass ältere Lehrkräfte zur Risikogruppe gehören und deshalb momentan nicht unterrichten dürfen, dann wird die Betreuung und Unterrichtung der Kinder umso schwieriger, denn trotz Sicherheitsabstand und Mundschutz wird während des Unterrichts sicher häufig und gerne geredet, insbesondere, wenn die Lehrkraft zwischen mehreren Unterrichtsräumen wechseln muss. Das hat sicher auch direkten Einfluss auf die Unterrichtsinhalte und Qualität und wird sich in der Erteilung und Bearbeitung von Aufgaben ergeben.

Bei stündlicher Stoßlüftung (ohne das Tragen von Mundschutz) wird die Ansteckungsgefahr nur minimal verringert. Eine tägliche Reinigung (und nicht 2x wöchentlich!!!) der Arbeitsflächen  und Fußböden sollte ein Standard sein, ist aber bei Pandemien unzureichend!, denn Arbeits- und Kontaktflächen (Tische, Stühle, Türklinken, Whiteboard-Stifte usw.) müssten jedes Mal nach Gebrauch desinfiziert werden.

Toiletten sollten mehrmals täglich gereinigt und desinfiziert werden, um eine Ansteckungsgefahr zu minimieren. Die Schüler sollen außerdem die Möglichkeit haben, sich nicht nur die Hände mit Flüssigseife zu waschen und mit Einwegtüchern gründlich abzutrocknen, es sollte auch möglich sein, dass sie sich regelmäßig die Hände desinfizieren. Weder Seifenspender noch Desinfektionsmittel sind in ausreichendem Maße vorhanden oder beschaffbar.

 Aus diesen Gründen wird eine selektive Wiedereröffnung der Schule nur für die Abschlussklassen (10. Klasse wegen Realschulabschluss – aber nicht EF – und 12. wegen Abitur) für möglich erachtet und dies NUR, wenn es unbedingt sein muss.

Eine komplette Öffnung der Schule von Klasse 1 bis 9 sollte vor den Sommerferien nicht mehr erfolgen. Zum einen werden die älteren Lehrkräfte geschützt und die Kinder bringen keine zusätzliche Ansteckungsgefahr in die Familien. Zudem, wer soll die Kinder in der Grundschule auf Einhaltung der Hygienevorschriften betreuen?

Wir befinden uns in einer Notsituation. Deshalb ist es sinnvoller, in der Corona-Zeit „home-schooling“ kohärent und zielgerichtet zu betreiben. Die Lehrer sollten den Unterricht auf Video aufnehmen und auf den jeweiligen Schulplattformen hochladen. Die Schüler bekommen dann Hausaufgaben dazu, die verpflichtend innerhalb einer festgelegten Frist zu lösen sind. Diese werden dann korrigiert und benotet zurückgesendet. Die Schüler werden dann regelmäßig Referate halten, die sie auf Video aufnehmen und dann hochladen bzw. versenden. Diese werden auch kommentiert und benotet. Die Anfertigung von kleinen Facharbeiten können Klausuren “ersetzen”. Lehrer, Schüler und Eltern bleiben in regelmäßigem Kontakt um eventuellen Probleme zu lösen. (IT.NRW wäre hinsichtlich der Technik gefordert).

Eine Neutralisation dieses Schulhalbjahres für die, die keine Abschlussklassen besetzen, wäre eine faire Lösung für alle. Die Universitäten definieren dieses Halbjahr längst als Neutralsemester.

Eine Öffnung der Schulen komplett erst dann vorzusehen, wenn die KiTas wieder öffnen. Die Zeit sollte bis dahin genutzt werden, die KiTas so ausstatten, dass sie arbeiten können: Schutzmasken, ausreichende Hygiene-Artikel bereitstellen, usw. Dazu ist ein Dialog zwischen Schulträgern, KiTa-Trägern und dem Land notwendig, da es um die Gesundheit unserer Kinder – und letztlich aller Menschen in NRW geht.

Beim Personal ist erst zu prüfen, wie viele Mitarbeiter*innen und Lehrkräfte unter den bestehenden Restriktionen tatsächlich zur Verfügung stehen.